Unerwünschte Beschützerin

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Steffi
Beiträge: 365
Registriert: Freitag 12. Juni 2020, 10:22

Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Steffi »

Ich habe das Gefühl, ich kriege das einfach nicht hin. Wie sollte ein erster Beat aussehen, wenn Cat die Hauptperson ist? Oder sollte eher Alida die Hauptfigur sein? Wäre das besser? Muss ich die Perspektive wechseln? Dann könnte ich Alida vielleicht auf dem Weg ins Hotel zeigen oder im Konzert. Große Fragezeichen. :?: :?: :?:

Ich habe jetzt mal alles gestrichen bis zu dem Zeitpunkt der ersten Begegnung. Also klassisch nach der Virtuellen Romanwerkstatt. Das ist nicht das, was Gwen Hayes vorgibt.

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1. Kapitel

1. Beat

„Was tun Sie da?“
Eine Stimme, die mir durch und durch ging, sprach mich von hinten an, als ich mein Equipment wieder in den Koffer packte, nachdem ich es benutzt hatte.
Ich war zu lange darauf trainiert, bei plötzlichen Ereignissen nicht zusammenzuzucken, um es jetzt zu tun. Ganz gelassen steckte ich das kleine Gerät an seinen Platz, richtete mich dann erst auf und drehte mich zu der Stimme um.
„Wer sind Sie?“, fragte ich zurück, obwohl ich sie im selben Moment erkannt hatte.
Im Gegensatz zu den geschönten Fotos, die ich von ihr kannte, strahlte sie jedoch etwas Müdes und Angestrengtes aus. Jeans und T-Shirt, flache Schuhe, eine Sonnenbrille, die sie immer noch trug, obwohl hier im Hotelzimmer gar keine Sonne schien. Als ob sie sich dahinter verstecken wollte.
„Das ist ja wohl –“ Ihre Backen bliesen sich wie Fußbälle auf. „Was haben Sie hier zu suchen? In meiner Suite? Ich rufe sofort den Sicherheitsdienst!“
„Ich bin der Sicherheitsdienst“, sagte ich. „In gewisser Weise.“
„In gewisser Weise? Was soll das heißen?“ Ihre Hand streckte sich nach dem Haustelefon aus, mit dem sie sofort eine Verbindung zur Rezeption herstellen konnte. In der anderen hielt sie ihr Handy, aber das hätte länger gedauert.
„Das soll heißen“, erklärte ich langsam, „dass ich nicht der Sicherheitsdienst des Hotels bin, wohl aber Ihr persönlicher Sicherheitsdienst. Ich bin Cat Schreiber.“
Einen Sekundenbruchteil überlegte ich, ob ich ihr die Hand hinstrecken sollte, aber ihre beiden Hände waren eigentlich belegt. Darüber hinaus wusste ich nicht, ob sie mir ihre Hand überhaupt geben würde.
Ihre Stirn runzelte sich. „Cat Schreiber? Sagt mir nichts.“
„Sicherheitsagentur Wischnewski“, erläuterte ich ruhig. „Manfred Wischnewski. Das ist mein Chef, könnte man so sagen. Wahrscheinlich haben Sie mit ihm zu tun gehabt.“
Sie zuckte die Schultern. „Ich habe mit niemandem zu tun gehabt. Das macht alles mein Management.“ Sie ging zu einem Sessel hinüber und warf den kleinen Rucksack, den sie in der Hand gehalten hatte, darauf. „Das heißt also, Sie sollen mich hier in diesem Kaff beschützen?“, bemerkte sie währenddessen beiläufig. „Wegen der Drohbriefe?“
Ich nickte. „So hat man es mir gesagt.“
„Ich weiß nicht, warum sich alle so darüber aufregen.“ Ihr Gesichtsausdruck wirkte äußerst gelangweilt. „Meine Fans sind eben manchmal etwas … anhänglich. Aber sie tun mir doch nichts. Das ist alles völlig überflüssig.“
„Offensichtlich sieht das Ihr Management nicht so“, erwiderte ich. „Sonst hätten sie mich nicht engagiert.“
Sie winkte ab. „Ach, die sind einfach immer überängstlich. Ich bringe ihnen eine Menge Geld ein, und das wollen sie nicht verlieren.“
Unverkennbar hatte sie eine sehr realistische Einstellung zu ihrem Beruf.
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Ruth
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Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Ruth »

Gwen Hayes ist nicht der heilige Gral, Steffi. ;) Nur weil ich das als Hilfsmittel erwähnt habe, heißt das noch lange nicht, dass diese Methode immer, überall, bei jeder Geschichte angewandt werden muss. Es muss immer noch mit dem übereinstimmen, was Du als Autorin fühlst und als richtig erachtest. Wenn es nicht passt, passt es nicht. Wenn Du Dich wohler mit dem fühlst, wie wir es in der Virtuellen Romanwerkstatt gemacht haben, dann schreib die Geschichte so.

Ich finde, die erste Begegnung hier nach vorn zu ziehen – das ist ja bei Gwen Hayes eigentlich erst frühestens Beat 3 – hat durchaus Vorteile. Es gibt nicht so viele Details über Cats Einstellung zum Leben preis, wodurch sie erst einmal zwar weniger cool, aber auch menschlicher erscheint. Es verändert den Blick auf die Figur Cat.

Aus Alidas Perspektive zu beginnen hätte auch etwas. Dann wäre sie allerdings die wichtigere Hauptperson. Cat würden wir dann erst einmal nur durch ihre Reaktionen kennenlernen. Später aber auch durch ihre eigenen Aussagen? Denn wahrscheinlich willst Du dann ja auch in die Perspektive von Cat wechseln und aus beiden Perspektiven schreiben. Oder willst Du im ganzen Buch die Perspektive wechseln, also alles aus Alidas Perspektive und Cat nur über Show don’t tell darstellen?

Es ergäbe sich dann auch die Frage, ob die Ich-Perspektive da überhaupt noch passt. Alidas Ich-Perspektive? Dann wieder Cats Ich-Perspektive? Oder alles in der 3. Person, wenn es mit Alida beginnt?
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Hanna
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Registriert: Sonntag 16. Februar 2020, 11:58

Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Hanna »

Vielleicht mache ich mich jetzt wahnsinnig unbeliebt, aber ich muss sagen, für mich passt die Ich-Perspektive da jetzt gar nicht mehr. Das wäre für mich eine Szene aus der klassischen 3. Person. Egal, ob Cat oder Alida im Mittelpunkt steht. Mir hat der coole Einstieg sehr gut gefallen – war mal etwas anderes, so in der Art von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett –, aber das hier jetzt ist vertrauter. Bis auf die Ich-Perspektive.

Das, was bei Hammett und Chandler so normal war – der desillusionierte Hard-Boiled-Detektiv –, ist schon etwas sehr Spezielles. Wenn Cat tatsächlich so desillusioniert ist, kann sie sich dann überhaupt auf irgendetwas Gefühlsmäßiges einlassen mit Alida? Die Detektive von Chandler und Hammett werden ja nie glücklich. Sie sind am Schluss immer die Verlierer. Cat sollte keine Verliererin sein, finde ich. Ist aber nur meine Perspektive, meine persönliche Meinung. Also wenn Du das so machen willst, Steffi, mach es so. Du bist die Autorin, nicht ich. :)
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Kay
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Registriert: Samstag 9. Oktober 2010, 19:31

Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Kay »

Einerseits stimme ich Dir zu, Hanna, aber andererseits trauere ich dem ursprünglichen Anfang auch etwas nach. ;) Eben weil es etwas sehr Besonderes war. Etwas Unerwartetes. Nicht unbedingt etwas Neues, denn wenn man an Hammett und Chandler denkt, ist diese Art zu schreiben ja schon hundert Jahre alt, aber doch etwas, das man heute nicht mehr so oft liest.

Ich glaube, ich schwärme für unmoderne Dinge. :D Die moderne Art zu schreiben ist oft so oberflächlich, so ohne jede Tiefe, nur alltägliches Geplapper. Und wenn man dann so etwas liest, das nicht so oberflächlich ist, ist das fast wie ein Sog, der mich als Leserin in die Tiefe zieht, unter die Oberfläche. In die interessanten Gebiete der menschlichen Seele.

Aber das wird jetzt zu philosophisch. 8-) Eigentlich wollte ich nur sagen: Mir gefällt beides. Denn die Figuren Deiner Geschichte gefallen mir, Steffi. Besonders Cat. Alida ist mehr so eine „normale Zicke“, aber Cat ist außergewöhnlich. Wegen ihres Berufes und auch wegen ihres Blickes auf die Welt, der ja schon etwas desillusioniert ist. Man möchte sie ein bisschen an der Hand nehmen und retten. Ihr die schönen Seiten des Lebens zeigen. Und zwar über Sex hinaus. Eine für mich sehr sympathische Figur, über die ich mehr erfahren möchte. Deren Entwicklung zu einer weniger desillusionierten Frau ich mitverfolgen möchte.
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Sina
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Registriert: Montag 29. Juni 2020, 15:47

Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Sina »

Das möchte ich auch gern. :) Meine McCrea ist Cat in mancher Hinsicht ähnlich. Sie möchte cooler erscheinen, als sie ist. Aber Amity durchdringt die Mauer, von der McCrea geglaubt hatte, sie wäre undurchdringlich. Alida macht glaube ich dasselbe mit Cat. Das würde ich gern beobachten. Davon kann ich bestimmt etwas für mein zukünftiges Schreiben lernen. Es ist gar nicht so einfach, eine Figur zu haben, die ihre Gefühle verbergen will, weil sie Angst hat, sonst nicht damit klarzukommen. Die nicht auf normale Art mit Gefühlen umgehen kann.
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Steffi
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Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Steffi »

Ich komme jetzt erst dazu, auf Eure hilfreichen Kommentare zu antworten. Hatte leider zu viel zu tun. Ja, die Ich-Perspektive ... Nicht dass ich daran hänge, aber sie kam mir wie ein gutes Mittel vor, um Cats Coolness rüberzubringen. Von außen fand ich das schwer. Dennoch liegt sie mir gar nicht so sehr. Also ich würde mit fliegenden Fahnen zur Perspektive der 3. Person überlaufen, wenn ich das jetzt überarbeite. :mrgreen:

Und ich überlege sogar, ob ich nicht mit Alida beginne. Mehr und mehr kommt mir das einfacher vor. Oder vielleicht auch nur logischer. Einfacher wird es wahrscheinlich nicht. Aber Alida ist nicht ganz so desillusioniert. Cat hat ja praktisch schon aufgegeben.
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Katja
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Registriert: Samstag 13. Juni 2020, 11:17

Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Katja »

Da Du jetzt die neue Geschichte einstellst, bin ich hier über die Überarbeitung Deines LLP-Romans gestolpert. Hast Du damit weitergemacht? Wenn man das jetzt so vergleicht, ist das dem anderen Anfang gar nicht so unähnlich. Und doch genauso interessant und anders.
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Steffi
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Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Steffi »

Du hast recht. Wenn man das vergleicht, ist sich das ähnlich. Alida und Cat können sich am Anfang auch nicht leiden. Das fällt mir aber jetzt erst auf. Ich habe damit noch nicht weitergemacht, weil das Lektorat noch nicht läuft. Ich hatte gehofft, das dann zusammen mit der Lektorin weitermachen zu können. Möglicherweise lerne ich jetzt aber auch etwas durch die andere Geschichte für diese Geschichte. Die gibt es zwar schon, während ich die andere Geschichte erst noch schreiben muss, bis zum Ende aufbauen muss, aber genau das, was bei Romancing Xena diskutiert wurde, trifft hier auch zu. Eine ganz neue Perspektive für beide Romane, nicht nur für einen.
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Kay
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Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Kay »

Jetzt wird es wirklich spannend. 😎 Gleich zwei Romane, nicht nur einer. Ein Roman für den LLP ist in meinen Augen oft nur ein Rohentwurf. Man bemüht sich, den Roman zu dem Einsendetermin irgendwie fertigzustellen, aber die Überarbeitung kann dann das ganze Buch noch sehr verändern.
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Ruth
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Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Ruth »

Das hatten wir schon sehr oft, das stimmt. Und hier sehe ich jetzt, dass ich vielleicht daran schuld war, dass Du nicht weitergekommen bist, Steffi. Ich habe Dir nicht die richtigen Hinweise gegeben. Durch die Diskussion bei Romancing Xena ist mir auch erst jetzt einiges klargeworden. Ich lerne immer noch, auch nach so vielen Jahren. 😉

Die Ähnlichkeit ist gerade etwas Gutes. Das ist eben der Kingsley-Stevens-Stil. Deine Figuren haben ja oft etwas Xena-Mäßiges. Nur muss die Gabrielle-Figur endlich zu etwas Eigenständigem heranwachsen. Weil Gabrielle als Figur leider, wie Kay schon an anderer Stelle sagte, etwas langweilig ist. Also muss sie kratzbürstiger werden. Nicht Xenas große Bewunderin, die ihr die Liebe beibringt, sich sofort in sie verliebt, sondern Xenas Widersacherin, die sich mit ihr zusammenrauft. Dafür haben Deine beiden Geschichten das Potenzial.
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Sina
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Re: Unerwünschte Beschützerin

Beitrag von Sina »

Meine neue Geschichte fällt glaube ich auch in diese Kategorie. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie es mit Deinen beiden Romanen weitergeht, Steffi. Diese Diskussion hier ist jetzt sehr interessant für mich, weil ich auch etwas steckengeblieben bin. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, den Roman noch für 2023 fertigzukriegen. Aber vielleicht schaffe ich das doch noch. 🙂
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