Inwieweit kann man Schreiben lernen?

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Steffi
Beiträge: 365
Registriert: Freitag 12. Juni 2020, 10:22

Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Steffi »

Sina hat geschrieben: Freitag 26. November 2021, 16:38Davon kann ich bestimmt etwas für mein zukünftiges Schreiben lernen.
Immer, wenn ich beim Schreiben oder bei der Überarbeitung jetzt an meine Grenzen stoße, frage ich mich: Kann man Schreiben überhaupt lernen? Rechtschreibung und Grammatik ja, aber den kreativen Teil des Schreibens? Ohne die massive Hilfe durch das Lektorat von el!es hätte ich vielleicht nie wieder angefangen zu schreiben. Weil ich das Gefühl hatte, mir fehlen die richtigen Werkzeuge. Eine Lektorin schnippt praktisch nur mit den Fingern und hat alle Werkzeuge zur Hand. Aber ich saß vor meinem Text und dachte: Irgendetwas stimmt da nicht, aber was? Als ob ich einen Text in einer fremden Sprache vor mir hätte, von der ich nur einige Vokabeln kenne.

Vokabeln kann ich lernen und Werkzeuge wie die Beat Sheets gibt es auch. Aber oft habe ich das Gefühl, ich stümpere trotzdem nur herum. Ich habe eine Idee und fange an zu schreiben, aber sobald ein Problem auftaucht, stehe ich ein bisschen wie die Kuh vorm Berg. :?
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Kay
Beiträge: 445
Registriert: Samstag 9. Oktober 2010, 19:31

Re: Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Kay »

Das denke ich auch immer wieder, Steffi. Da bist Du nicht allein. ;) Ich frage mich manchmal, wie das bei diesen Bestsellerautorinnen ist, die schon 120 Bücher geschrieben haben und ständig neue raushauen. Haben die auch noch immer Zweifel? Oder ist es so, wenn man dann sehr viel Geld damit verdient hat (wie beispielsweise J.K. Rowling mit Harry Potter), ist das dann der Beweis dafür, dass man wirklich schreiben kann? Hat man dann keine Zweifel mehr?

Ich weiß, dass ich einiges gelernt habe durch Ruth und die el!es-Lektorinnen (so ein Lektorat ist ein Erlebnis 8-)), ich habe auch das Gefühl, ich hätte mich weiterentwickelt, aber trotzdem bin ich manchmal ratlos, wenn ich eine Geschichte ohne die Hilfe eines Lektorats überarbeiten soll. Denn man braucht einfach den Blick von außen. Sonst hängt man manchmal in seiner eigenen Perspektive fest wie in einem Kreisverkehr, aus dem man nicht mehr herauskommt.
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Hanna
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Registriert: Sonntag 16. Februar 2020, 11:58

Re: Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Hanna »

Das ist ein gutes Bild, Kay. :) Ich kann mich erinnern, dass wir im alten Forum auch schon einmal so eine Diskussion hatten. Weil es anscheinend Autorinnen gibt, die die Virtuelle Romanwerkstatt durchlaufen oder irgendwelche Schreibratgeber gelesen haben und jetzt meinen, das wäre die einzige Art, wie man schreiben durfte. Weil sie es so „gelernt“ haben.

Aber lernen kann man meines Erachtens nur einen Teil. Das Handwerk eben. Aber Handwerk ist nicht alles. Für mich gehört auch noch die richtige Umsetzung dazu. Das richtige Maß, wie man die Werkzeuge einsetzt. Und das Gefühl. Nur Handwerk und kein Gefühl – das wäre ein sehr kaltes Buch. Oder eins von denen, die nur so vor sich hinplätschern.
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Ruth
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Registriert: Montag 4. Oktober 2010, 09:01

Re: Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Ruth »

Ja, das kann unter Umständen das Ergebnis sein. :) Gefühl ist ganz wichtig. Und auch Empathie. Dass man sich in eine andere Figur (wie auch im täglichen Leben in einen anderen Menschen) hineinversetzen kann. In ihren Schuhen gehen kann, wie das im Englischen so schön heißt. Das können viele, viele Leute nicht. Sie sehen alles immer nur aus ihrer eigenen Perspektive. Und so wird das dann auch in einem Buch dargestellt, wenn eine Autorin so ist.

Was mir zudem immer wieder auffällt, ist, dass viele Autorinnen Probleme damit haben, Konflikte darzustellen. Da kann anscheinend auch das Handwerk nicht viel helfen. Wenn eine Autorin konfliktscheu ist, kann sie das Handwerk noch so gut beherrschen, ihr Buch wird trotzdem immer genauso konfliktscheu sein wie sie selbst. Oder sie hält winzige „Stürme im Wasserglas“ für Konflikte, sucht gar nicht nach echten. Vielleicht weil sie auch im wirklichen Leben Angst davor hat oder nicht gut mit Konflikten umgehen kann.

Ein echter Konflikt ist zumindest innerlich lebensbedrohlich, wenn er in einem Buch, in einer Geschichte zu etwas führen soll. Wenn die Figur den Konflikt nicht lösen kann, verliert sie etwas für sie sehr Wertvolles. Das bekommen viele Autorinnen nicht hin. Deshalb kommen dann oft lächerliche „Konflikte“ dabei heraus, die niemanden vom Hocker reißen und auch keine Spannung im Buch erzeugen.
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Sina
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Re: Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Sina »

Lebensbedrohliche Konflikte? Aber das kann doch nicht immer der Fall sein. Sind es nicht eher gefühlsmäßige Konflikte?
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Ruth
Administration
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Re: Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Ruth »

Du hast es ja schon entdeckt :), aber zum Thema Konflikt gibt es jetzt einen eigenen Thread, in dem weiterdiskutiert werden kann. Glaubwürdige Konflikte zu erschaffen ist immer Teil der Aufgabe einer Autorin, darum kommt man nicht herum. Aber kann man das lernen, wenn man konfliktscheu ist? Das haben wir damals im alten Forum auch schon diskutiert.
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Katja
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Re: Inwieweit kann man Schreiben lernen?

Beitrag von Katja »

Kann man das lernen? Das ist die große Frage. Ich würde sagen, man kann wirklich nicht alles lernen, was das Schreiben betrifft. Es ist immer unser Alter Ego, das da mitschreibt, und das sind nun einmal wir selbst, die Autorinnen. Auch wenn es Vorlagen gibt, Beat Sheets, Schreibratgeber ... Was nützt das, wenn man es nicht anwenden kann? Oder wenn man gerade durch diese Vorlagen gehemmt wird?

Das war beispielsweise bei mir ein Grund, dass mein Roman für den LLP erst auf den letzten Drücker kam. Ich habe es mit den Vorlagen versucht, aber damit habe ich keine Geschichte zusammenbekommen. Erst als ich die Vorlagen sozusagen weggeworfen habe, entstand die Geschichte, die jetzt sogar für mich völlig überraschend gewonnen hat. Diese Geschichte passt einfach nicht in eine Vorlage.
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